Das 31.
veröffentlichte Buch zu erreichen, gibt einem die Gewissheit, dass die Quelle
großer Geschichten unerschöpflich ist – besonders wenn wir uns mit der größten
Geschichte aller Zeiten befassen. Mit unbändiger Freude und einem Hauch von
Ehrfurcht überreiche ich Ihnen heute den dritten Band unserer Reise: die
Kollektion Stimmen des Reiches.
Wenn wir in Buch
2 (Markus) den Staub und Schweiß Galiläas im atemlosen Rhythmus von Heinrich
von Kleist geschluckt haben, lade ich Sie nun ein, sich zu räuspern und es sich
im Sessel bequem zu machen. Die Szenerie hat sich komplett gewandelt.
Das
Lukasevangelium ist der detaillierte, medizinische und zutiefst menschliche
Bericht. Es ist das Evangelium des Mitgefühls, das sich auf die Ausgestoßenen,
die Frauen, die Kranken und die reuigen Sünder konzentriert. Aber es ist auch
das Buch der großen sozialen Masken, in dem Jesus am Tisch der reichen
Pharisäer sitzt, um ihre Heucheleien aufzudecken.
Um dieses
Meisterwerk der menschlichen Analyse neu zu schreiben – unter Wahrung
hundertprozentiger theologischer Treue zu den Wundern und Lehren Christi –,
brauchte ich einen Autor, der ein wahrer „Chirurg” der Seele war. Jemanden, der
in der Lage ist, Stolz, Eitelkeit und Etikette mit feiner, eleganter Ironie und
humanistischer Empathie zu sezieren. Es gab keinen Zweifel: Ich rief den
genialen Stefan Zweig herbei.
In Lukas: Das Evangelium des Menschensohnes werden Sie die Gleichnisse Jesu als tiefgreifende psychologische Dramen miterleben. Sie werden das Gleichnis vom verlorenen Sohn nicht nur durch die Augen des Sohnes sehen, der sich geirrt hat, sondern durch die bittere Verbitterung des älteren Bruders, der zu Hause blieb. Sie werden am pharisäischen Bankett sitzen und zusehen, wie die falsche Moral des Gastgebers durch die Tränen einer Frau mit einem Parfümgefäß zerschmettert wird.


